BAJA SAXONIA 2009: Prolog und WP 1
11.April: Baja Saxonia 2009 Teil 2 – Prolog und Wertungsprüfung 1
Halb fünf, der Wecker klingelt erbarmungslos. Aber heute steht meine erste Rallye auf dem Programm, ich bin schon recht wach und noch etwas aufgeregter. Die ganzen Protektoren anlegen, Stiefel, Trinkrucksack….

Start zum Prolog
Meine EXC 520 springt auf Schlag an und ab geht´s zum Vorstart. Hier werden die Fahrer nach Startnummernreihenfolge im 30-Sekunden-Takt auf die Verbindungsetappe zum eigentlichen Gelände geschickt. Zeitfenster dafür sind großzügige 20 Minuten. Dort angekommen hat man noch ein paar Minuten Zeit, bis es dann um 6:01 Uhr für mich auf die 5 km lange Prolog-Runde nach RB geht. Da das Prolog-Ergebnis über die Startreihenfolge für die erste Wertungsprüfung (WP) entscheidet, fahre ich eher gemäßigt, mache mich mit dem RB vertraut und versuche einen Startplatz im Mittelfeld anzupeilen, was mir denn auch gelingt.
Danach geht´s zurück ins Fahrerlager, erst müssen noch die Quads, Geländewagen und Lkw´s ihren Prolog fahren, bevor es mit der WP 1 richtig losgeht. Kurzes Frühstück im Cateringzelt, ich krieg noch nicht so recht was durch´n Hals. Ein Blick auf die Prolog-Ergebnisse verrät meinen so gewollten Startplatz im Mittelfeld. Eine Verdauungszigarette und anschließende Gewichtsoptimierung des Fahrers vor dem letzten Check der EXC.

Startaufstellung zur WP 1
Die Kluft wieder angelegt, diesmal ergänzt durch die Hüfttasche mit dem Nötigsten für hoffentlich nicht nötige Reparaturen unterwegs. In Dreiergruppen geht´s ab dem Vorstart auf die Verbindungsetappe. WP 1 Startzeit 10:21 Uhr, die Aufregung steigt. Ich glaub ich nulle ein gutes Dutzend mal meinen Tripmaster. Dann die Handzeichen des Starters: 5-4-3-2-1 los! Nach wenigen Metern die ersten ordentlichen Bodenwellen, der erste Sand. Das RB stimmt auf den Meter und ich komme erstaunlich gut mit Navigation zurecht. Ich erreiche die Auffahrt im Tiefsand, 8 bis 10 Fahrer nebst ihren Gefährten liegen dort verstreut, haben es nicht bis oben geschafft. Ich warte einen Moment, bis genügend Platz ist, um niemand zu gefährden. 2. Gang, Vollgas, Go, 3. Gang, souverän zieht die 520er bis oben hin durch.

Anfahrt zur Sandauffahrt
Ich parke an einem Bäumchen und laufe zurück zur Sandauffahrt, helfe einem Zweizylinder-Fahrer seine dicke KTM-Adventure auszugraben und hochzuschieben. Ganz schön anstrengend. Egal, gemeinsam gehen wir nochmals zurück und wollen auch noch einem anderen Dickschiff-Piloten helfen. Aber das Loch, in dem er sich festgefahren hat, ist zu tief. Er rollt seine Fuhre wieder runter, um einen neuen Anlauf zu starten. Kurzerhand tue ich mich mit dem Adventure-Fahrer zusammen, den weiteren Weg gemeinsam zu bestreiten, den er hat noch nicht mal ein RB-Halter und muß das RB per Hand umblättern. Der erste Checkpoint (CP) – mit dem Transponder abgestempelt und weiter, 400 Meter weiter der erste Kompasskurs im RB mit der Bemerkung „mehrere Wege möglich“. Zum Glück habe ich das GPS-Navi dabei, fahre einen kleinen Kreis um die richtige Richtung anzupeilen und nehme zwei Fahnen als Anhaltspunkt des Kurses im Gelände. Es geht runter in eine Ebene mit Baumgruppen, teilweise harter Boden mit vom letzten Regen ausgewaschenen Rinnen, teilweise Sand. Ich kann eine Auffahrt erspähen, oben stehen die Fahnen, ich bin richtig, also Gas und weiter. Den Adventure-Fahrer hab ich irgendwo verloren….
Den nächsten Checkpoint finde ich auch. Irgendwo bei Km 12 fällt mein RB aus, es spult weder vor noch zurück, so das ich es nur per Hand weiter drehen kann. Ich häng mich an zwei BMW HP2-Fahrer und auch der Adventure-Pilot ist wieder mit dabei, es geht über schnelle Piste immer tiefer in den Tagebau. Bei km 15 funktioniert das RB wieder, ich führe die Meute weiter an, bis das RB kurz darauf wieder ausfällt.
Irgendwo sind wir falsch abgebogen, das RB passt kurioserweise trotzdem zu den nächsten Abzweigungen, so das es eine Weile dauert, bis wir unseren Irrtum bemerken. Also zurück zum letzten sicher navigierten Punkt. Nein das ist er noch nicht, noch weiter zurück….
Nach über einer halben Stunde haben wir´s dann. Denn Tripmaster wieder auf den korrekten Km-Stand korrigiert, das RB auf die richtige Angabe gedreht und weiter. Jetzt ist wieder alles klar und wir können den nächsten CP schon sehen.
Es geht durch Felder voller Braunkohlestaub, dort mullt es so sehr, das man nichts mehr sieht. Schnelle Schotterpassagen, die Geschwindigkeiten weit über 100 km/h erlauben und immer wieder Sand, teils mit großen Steinen darin, das es einem schon mal den Lenker aus der Hand hauen kann. Ich finde alle CP´s und nach gut 42 km und 1:38 Std ist die erste Runde geschafft. Fahrerrisch und konditionell bin ich gut dabei und kann nun die zweite Runde ohne größere Navigationsprobleme angehen. Das RB, welche nun meistens wieder funktioniert, lasse ich noch mitlaufen, um ganz sicher zu gehen. Hier und da muß ich mich noch mal vergewissern, wo ich genau abbiegen muß. Aber insgesamt läuft´s rund, für die zweite Runde brauche ich nur noch eine Stunde. Auf Runde 3 hab ich den Kurs bereits im Kopf, brauche kein RB mehr und schaffe sie in 48 Minuten.

WP 1 geschafft
Danach werde ich rausgewunken, darf die vierte von vier angesetzten Runden nicht mehr antreten, da ich die Maximalzeit bereits erreicht habe. Schade, aber nicht sooo schlimm für meine erste Rallye-Etappe.
Glücklich und geschafft zurück im Fahrerlager raus aus den Klamotten und viel trinken. Beim anschließenden Check des Moppeds lässt sich kein Fehler am RB-Halter finden, er läuft zuverlässig. Also neuen Luftfilter, Reifen und Schrauben kontrollieren, Kette schmieren und dem Einsatz auf der zweiten WP steht nichts im Weg.
Am Nachmittag, während Autos und Lkw´s ihre WP fahren, können wir uns ein bisschen ausruhen
Nach dem gemeinsamen abendlichen Abgrillen mit Tim und Jochen sind wir alle wieder früh im Bettchen, stehen doch für den nächsten Tag sieben Runden in maximal sechs Stunden über insgesamt 240 km an.
Weiter mit Teil 3 <Klick>